Die Sache mit dem Du – Von twitternden fremden Freunden

In meinem letzten Wochenrückblick hatte ich ja bereits angekündigt, dass ich dem Thema Berufseinstieg künftig mehr Aufmerksamkeit auf dem Blog schenken will. Als jemand, der sich nach dem Schulabschluss für ein Studium und somit gegen den Berufseinstieg über eine Ausbildung entschieden hat, musste ich mich erst mit Mitte 20 der Frage stellen, womit ich eigentlich den Rest meines Lebens verbringen will. Kürzlich war es so weit und ich begab mich auf die Suche nach meiner Zukunft. Kein befristetes Praktikum, keine Stelle als studentische Aushilfe, sondern so ein echter, richtiger Job musste her. Und tatsächlich habe ich den sogar gefunden oder zumindest etwas, das die Weichen dafür stellt – aber was genau das ist, darum soll’s ein andermal gehen.

Semi-seriös auf Twitter unterwegs

Dass ich ein großer Fan von Twitter bin, ist kein Geheimnis. (Wie ich über Twitter sogar den weltbesten Arbeitgeber der Welt gefunden habe, erzähl ich euch wann anders.) Generell finde ich Social Media ziemlich dufte. So dufte sogar, dass nicht nur privat dort unterwegs bin, sondern jetzt eben auch beruflich – und dort Fach-Kollegen und (potentiellen) Kunden über den Weg laufe. Wer einigermaßen into Twitter ist, der weiß, dass Siezen da nicht so gut ankommt. Wer twittert, der duzt. Immerhin sind wir ja nicht auf XING. Auf Twitter geht es freundschaftlich, fast familiär zu, es gibt eigene Insider (#Iseefaces) und irgendwie kennt man sich. Aber was passiert eigentlich, wenn man diesen Twitter-Kontakten im echten Leben gegenübersteht – duzen oder siezen?

„Entschuldigen Sie …“

Generell gehöre ich zu denen, die eher zum Sie als zum Du tendieren. Besonders wenn ich mal wieder eine pubertierende und dezent desinteressierte Verkaufsaushilfe höflich sieze, amüsiert das den Freund enorm – aber gelernt ist eben gelernt. Erwachsene siezt man nun mal, Punkt. Dass ich selbst jetzt eine von denen bin und hin und wieder von Kindern und Jugendlichen selbst gesiezt werde, fühlt sich immer noch fremd, komisch und ungewohnt an und löst in mir meist den Reflex aus, ganz automatisch ein „Du darfst mich ruhig duzen“ an meine Antwort dranzuhängen. Aber wie sieht das eigentlich mit anderen Erwachsenen aus, die mich ganz automatisch duzen – darf ich dann einfach ohne zu fragen zurückduzen? Als ich Teenager war, kamen mir Mitte-20-Jährige viel erwachsener und ernster vor, als ich es jetzt selbst bin – mache ich was falsch? Was mache ich falsch? Bin ich der einzige Mensch, der sich über so was Gedanken macht?

Aber zurück zu den twitternden Fach-Kollegen oder gar Kunden. Wer zumindest semi-seriös auf Twitter unterwegs ist (also als Einzelperson und nicht als Unternehmen), der sollte die Regeln und Gepflogenheiten des Netzwerkes achten – wozu es eben auch gehört, sich duzen zu lassen und selbst zu duzen. Oder liege ich falsch? Gilt es, für berufliche Kontakte die Gewohnheiten außen vor zu lassen?

Wie handhabt ihr das mit twitternden Arbeitskontakten? Macht ihr einen Unterschied zwischen (potentiellem) Kunden oder Fach-Kollegen? (Bonusfrage: Kommt es euch auch immer so seltsam vor, wenn euch Jugendliche siezen?)

2 Comments

  1. Ich finde diese Höflichkeitsform schrecklich. Ich duze so gut wie immer, außer das Sie wird von mir erwartet, also bei externen Kunden, obwohl ich auch da oft das Du verwende. Ist aber hier in Tirol auch eher „geduldet“.

    Ich mag dieses geSieze wirklich gar nicht und finde es ist nur falsche Effekthascherei. Das macht die Leute wichtiger als sie sind.

  2. Deine Fragestellung ist gut.

    Ich hab mich mittlerweile bisschen an das „Sie“ gewöhnt. Auch wenn ich mir da immer schrecklich alt vor kommen und denke, dann muss ich ja auf klug tun, wenn man mich siezt ;)
    Aber generell sollte man sich dem Gepflogenheiten des Netzwerkes anpassen (Ich würde aber wahrscheinlich auch auf Xing duzen XD)…

    Vielleicht gibt es schon bald einen Umbruch, dass das „Sie“ nicht mehr so wichtig ist?
    Allgemein dieses „Formelle“…

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