Gelesen im Mai

Die letzten Wochen Monate waren lesetechnisch eine ziemliche Flaute. Eigentlich ist daran niemand anders außer mir selbst Schuld, aber wenn ich noch wem anders den Schwarzen Peter zuschieben dürfte, dann würde dieser garantiert bei Joanne K. Rowling und Ein plötzlicher Todesfall landen. Denn nachdem ich mich zumindest gefühlt über einen Monat mit Rowlings ersten Roman jenseits der Harry-Potter-Reihe unter ihrem echten Namen herumschlug, gab ich schlussendlich klein bei und auf und brach ab. Woran es so wirklich lag, vermag ich gar nicht genau zu sagen, denn eigentlich war die Handlung an sich echt okay und der Schreibstil gewohnt gut. Lediglich meine Erwartung, die hat nicht gepasst. Denn die schrie über all die Seiten hinweg nach Aufregung, Spannung, nach einem Komplott – der leider nicht kam. Und so fiel es mir von Mal zu Mal schwerer, abends im Bett zum Buch zu greifen, bis das Lesen einfach keinen Spaß mehr machte. Autsch.

Dem Entschluss, dem plötzlichen Todesfall ein gar nicht mal so plötzliches Ende zu bereiten, folgten drei Bücher, die ich im Monat Mai las. Welche das sind, lest ihr jetzt.

Das Orchideenhaus von Lucinda Riley

In Das Orchideenhaus geht es um die Konzertpianistin Julia, die nach dem Unfalltod ihres Mannes und ihres kleinen Sohns in ihre Heimat flüchtet. Dort trifft sie Kit Crawford, den Erben des Anwesens, für das ihre Großeltern tätig waren, wieder. Durch ihn gelangt sie an das vermeintliche Tagebuch ihres Opas und lüftet so ein lange gehütetes Familiengeheimnis.

Ein sehr seichtes Buch mit einigen mittelmäßigen Spannungsmomenten, das für den Wiedereinstieg voll okay war.

Der Seidenspinner von Robert Galbraith

Als die Frau des verschwundenen Schriftstellers Owen Quine  Privatdetektiv Comoran Strike bittet, ihren Fall zu übernehmen, glaubt dieser zunächst, es bloß mit einem lausigen Ehemann auf der Flucht zu tun zu haben. Als Strike jedoch von Quines letztem Werk „Bombyx Mori“ (zu Deutsch „Der Seidenspinner“) erfährt, in dem er gnadenlos mit seinem Umfeld abrechnet, ahnt er, dass es um mehr geht, als Quines Frau ihn glauben lässt.

Bei Der Seidenspinner handelt es sich um den zweiten Roman aus der Domoran-Strike-Reihe, die Joanne K. Rowling unter ihrem männlichen Psyeudonym Robert Galbraith schreibt. Genau wie beim ersten Fall des mürrischen Privatdetektivs bin ich auch diesmal wieder sehr begeistert von Rowlings Performance als Krimi-Autorin. Wer einen soliden Krimi mit einem eigenbrödlerischem Detektiv und seinem bezaubernden Sidekick sucht, der wird hier fündig.

180 Grad Meer von Sarah Kuttner

Jule ist nicht glücklich. Und das aus prinzip. Vielleicht weiß sie nicht einmal, wie sich Glück überhaupt anfühlt. Geld verdient sie abends als Soul-Sängerin in einem Club – ein Beruf, den sie mit jeder Phase ihres Körpers hasst. Sie ignoriert die Anrufe ihrer Mutter, die sie ebenfalls nicht leiden kann. Nur Tim, ihren Freund, den findet sie okay. Sogar mehr als das. Und dennoch tut sie ihm weh, so ganz bewusst und in dem WIssen, dass das, was sie macht, eigentlich nicht geht. Warum, Jule? Als Tim beschließt, eine Pause zu brauchen, flüchtet Julie zu ihrem Bruder Jakob nach London und fängt dort mit einem geliehenen Hund und jeder Menge Geld, dass ihr ihr ebenfalls verhasster Vater Michael gegeben hat, ein neues Übergangsleben an. Als Jakob ihr erzählt, dass Michael ebenfalls auf der Insel wohnt und zudem noch an Krebs leidet, weiß Jule zunächst nicht, wie sie damit umgehen und sich verhalten soll. Was ist, wenn es ihr schlichtweg egal ist, was mit Michael passiert? Darf man als Kind so fühlen? Und wie soll sie bloß mit Jakob umgehen, der plötzlich ein so enges Band zu ihrem gemeinsamen Erzeuger aufgebaut hat?

180 Grad Meer ist der dritte Roman der deutschen Autorin Sarah Kuttner, die zuvor schon für etliche Zeitschriften generations- und gesellschaftskritische Kolumnen verfasst hat. Alle ihre Romane haben eine auf die eine oder andere Weise kaputte Protagonistin gemeinsam, die ihre Beziehung erst sabotieren muss, um sich selbst etwas näher zu kommen. Wie so viele andere Autoren scheint auch Kuttner ihre Nische gefunden zu haben, die sie kann und in der sie sich wohlfühlt. Und das ist auch vollkommen okay so. Sprachlich legt Kuttner von Roman zu Roman zu und weiß, die Gefühle ihrer Protagonistin einzigartig treffend zu beschreiben. Alles in allem ein grandioser Roman über Selbstfindung und das Meer, der viel zu schnell vorbei war.

Welcher Roman hat euch im Mai am meisten begeistert?

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1 Comment

  1. die neuen Bücher von J. K. Rowling will ich ja auch mal lesen, bis jetzt hab ich mir aber irgendwie noch keins zugelegt.. muss ich jetzt mal nachholen!
    und ich mag Sarah Kuttner sehr gerne als Moderatorin – am Anfang des Jahres hab ich endlich „Mängelexemplar“ gelesen und mochte es, die beiden anderen stehen auf der Wunschliste :) hast ihren Stil gut zusammengefasst!

    Liebe Grüße Katrin

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