Die Sache mit der Berufserfahrung (feat. 5 Tipps)

Kennt ihr das? Ihr kommt frisch von der Uni, die ihr natürlich in Regelstudienzeit abgeschlossen habt, zwar ganz ohne Berufserfahrung, dafür aber mit jeder Menge Motivation, Zeit und Credit Points, und findet vom Fleck weg einen richtig geilen Job. Nein, ich auch nicht. Zwar stecke ich jetzt in genau so einem (liebe Grüße an die Kollegen, die schon etwas muckten, hier nie erwähnt zu werden!), aber dafür war eben auch ein wenig Vorarbeit nötig. Welche das war und was ich euch bei euren ersten Schritten in Richtung Arbeitswelt raten würde, lest ihr jetzt.

Ich habe in meinem Leben genau vier Praktika gemacht: ein Schülerpraktikum, das ich in der 9. Klasse in unserer Kleinstadt-Zeitung absolvierte, ein sechswöchiges Praktikum in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit in unserem Kleinstadt-Rathaus während des Bachelors, ein etwa dreimonatiges Praktikum in einer PR-Agentur spezialisiert auf B2B-Kommunikation für IT-Unternehmen (woraus ein Stelle als PR-Assistentin folgte) und ein letztes Praktikum bei meinem jetzigen Arbeitgeber, das direkt ins Traineeship führte. Ein Blick auf meinen Lebenslauf verrät also: Ich wusste bereits während der Schulzeit, wohin die Reise für mich ungefähr gehen sollte, und wechselte dann im Studium minimal den Kurs. Kurzum: Ich hatte Glück. Etwas weniger Treffsichereit hätte bestimmt einige Praktika mehr bedeutet, bis ich meine Leidenschaft und schlussendlich meinen Weg gefunden hätte.

Auch hatte ich Glück mit der Wahl meins Masterstudiums und dem Studienort. Für den Master ging es für mich von Düsseldorf (meiner Heimat sozusagen) nach Aachen, was genau weit genug entfernt war, um mich selbst zu verwirklichen, aber nicht zu viel Heimweh zu bekommen. Gleich im ersten Semester bewarb ich mich einer spontanen Eingebung folgend bei meiner späteren Arbeitgeberin. Es folgte eine fantastische Zeit in einer grandiosen Stadt mit vielen wichtigen Kontakten und unzähligen tollen Twitter-Kontakten. Ich würde so weit gehen und sagen, dass das Praktikum sowie die anschließende Agentur-Arbeit das Wertvollste sind, was ich aus dem Masterstudium an sich mitnahm. Ob sich der Master überhaupt lohnte? Definitiv! Aber dazu ein ander Mal mehr.

5 Tipps für den Einstieg

Für mich hat sich alles fast wie von Zauberhand entwickelt, aber was könnt ihr tun, wenn es bei euch etwas holpriger voran geht? Ich sprach mit Kollegen und Freunden und habe fünf Tipps gesammelt, wie ihr trotz mangelnder Berufserfahrung einen großen Schritt Richtung Traumpraktikum machen könnt.

Vitamin B

Ihr habt in eurem Umfeld Leute, die genau das machen, was ihr gerne machen wollt? Dann sprecht sie doch mal an und fragt, ob sie euch ein Praktikum oder weitere Kontakte vermitteln  können! Denn es ist immer einfacher, über persönliche Empfehlungen in ein Unternehmen zu kommen, als wenn ihr ganz auf euch alleingestellt seid. Also erzählt auf der nächsten Familienfeier oder WG-Party von eurer Suche und wartet ab, was passiert.

Think Big, Act Local

Klar, ihr wollt in die große Welt hinaus und euch so richtig schön beruflich verwirklichen. Aber auch die Mondlandung begann mit einem ersten Schritt ins dröge Astronautencamp. Sollte es mit den großen Haien noch etwas hapern, empfehle ich euch, eure Angel auch mal nach kleinen Guppys (zum Beispiel dem Käseblatt in eurer Heimatstadt) auszuwerfen.

Ehrenamt ftw

Warum muss es eigentlich immer gleich ein Praktikum sein? Ehrenämter sind auch ’ne tolle Sache! Vor allem wenn diese auch noch genau in die Richtung gehen, in die ihr später wollt. Ihr habt eure Zusatzqualifikation „Deutsch als Fremdsprache“ und möchtet gerne als Deutschlehrerin Fuß fassen? Dann ab zur Geflüchtetenhilfe mit euch!

Bildet euch weiter

In meinen letzten beiden Bachelor-Semestern entdeckte ich das Workshop-Angebot meiner Uni für mich und besuchte alle Kurse, die ich zu „meinen“ Themen finden konnte sowie einige Basics: Grundlagen der PR, Online-PR, journalistisches Schreiben, BWL für Geisteswissenschaftler und so weiter. Das kostete mich zwar einige freie Wochenenden, war es aber definitiv wert.

Seid besonders

Auf dem Papier seid ihr zwar ein unbeschriebenes Blatt, aber das muss keinesfalls für euren Charakter gelten! Und genau den gilt es zu präsentieren. Also seid ruhig mutig und punktet mit euren Soft Skills. Fehlende Berufserfahrung kann je nach Job beispielsweise durch eine schnelle Auffassungsgabe wettgemacht werden. Und auch Kreativität kann wahre Wunder wirken. Ihr bewerbt euch für ein Praktikum im Journalismus, aber euch fehlen entsprechende Arbeitsproben? Dann macht euer Anschreiben selbst zur besten Arbeitsprobe und formuliert es als kleine Top-Meldung. Traut euch einfach mal was, mehr als in die Hose gehen kann’s ja nicht. ¯\_(ツ)_/¯ 

Habt ihr weitere Tipps, wie es mit der ersten Berufserfahrung was wird? Ich freu mich auf eure Kommentare!

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3 Comments

  1. Als klassischer Deutschlehrer, sprich studiert auf Lehramt, bringt einem für die Laufbahn ein Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe rein gar nix. Nach dem Studium kommt das Referendariat und dann die Stelle.

    • Dominique Reply

      Vielleicht hätte ich mich besser ausdrücken sollen. Ich meine die Zusatzqualifikation „Deutsch als Fremdsprache“ mit der du auch als Germanist ohne Lehramt später in die Erwachsenenbildung gehen kannst und beispielsweise im Ausland Erwachsenen Deutsch beibringen kannst.

      Alles Liebe
      Dominique

  2. Ein sehr toller Beitrag! Bei mir naht der Studienabschluss auch so langsam und obwohl ich einige Praktika gemacht habe, mache ich mir trotzdem Sorgen wegen der Arbeitssuche. Problematisch finde ich vor allem, dass viele Unternehmen nur Studierende und keine Absolventen mehr als Praktikanten einstellen, weil sie ansonsten Mindestlohn zahlen müssten. Und für einen „richtigen“ Job wollen Firmen mehrere Jahre Berufserfahrung sehen. Aber da kann man nur abwarten und optimistisch bleiben.
    Liebe Grüße!

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