Gelesen im September

Mit dem September hat sich der Sommer nun endgültig verabschiedet und macht somit Platz für kühlere Temperaturen, Wind und Wetter. Wenn das mal nicht danach schreit, sich mit einer großen Tasse Tee, einer warmen Decke und einem guten Buch stundenlang auf die Couch zu lümmeln, dann weiß ich auch nicht! Welche Romane mich im September genau dorthin begleitet haben und was ich während meines letzten Urlaubs 2016 las, erzähl ich euch jetzt.

Nachdem mein letzter Picoult schon mindestens vier Monate zurückliegen muss (oder ich ihn euch ansonsten versehentlich hier unterschlagen habe), war es diesen Monat wieder Zeit für moralisch harten Tobak.Bücher, die ich im September 2016 las

Zerbrechlich von Jodi Picoult

Schon während der Schwangerschaft erfährt Charlotte, dass ihr zweites Kind unter Osteogenesis imperfecta, also der Glasknochenkrankheit leidet. Das bedeutet, dass das Baby schon im Mutterleib zahlreiche Knochenbrüche durchmacht und ein Leben voller Schmerzen vor sich hat. Dennoch entscheidet sich die Familie gegen einen Schwangerschaftsabbruch. Stattdessen krempeln Charlotte und ihr Mann Sean ihr Leben so um, dass es den Ansprüchen von Wilow gerecht wird, was vor allem bedeutet, dass ihre ältere, gesunde Schwester Amalie oft außen vor bleibt. Als Charlotte die Chance bekommt, die Zukunft ihrer kranken Tochter finanziell zu sichern, ergreift sie diese – auch wenn das von ihr verlangt, Menschen, die ihr nahestehen, zu verletzen oder gar für immer zu verlieren.

In Zerbrechlich widmet sich Picoult der Frage, wie viel ein Leben wert ist – und welchen Preis finanzielle Sicherheit wert ist. Was muss eine Familie aushalten, um dafür zu sorgen, dass auch die Schwächsten ein Leben haben, das es sich zu leben lohnt – und wann muss sie aufgeben? Wie keine Zweite weiß es die Amerikanerin, auch gegensätzliche, kontroverse oder gar moralisch falsche Ansichten in ihren Romanen verständlich darzustellen. Aber was ist schon moralisch falsch, wenn der Preis das Wohl deines Kindes ist? Zwar wird Zerbrechlich keinesfalls in die Top 3 meiner liebsten Picoult-Werke aufsteigen, dennoch erfüllt das Buch um eine Familie, die eine Krankheit zu zerreißen droht, genau das, was ich von ihm erwarte. 10/12.5

Nullzeit von Juli Zeh

Vor vielen Jahren hat Sven Deutschland mit dem Ziel verlassen, sich als Tauchlehrer in Griechenland aus dem Leben Fremder und vor allem dem seiner Kunden rauszuhalten. Bis er Jola und Theo begegnet. Während er ihnen das Tauchen beibringt, bemerkt er zunächst gar nicht, wie er immer mehr zu einem Teil ihrer fatalen Beziehung wird. Als ihre gemeinsame Zeit schließlich in Svens größtem Tauchabenteuer endet, erkennt er keinen Moment zu früh, was eigentlich um ihn vor sich geht.

Mit Nullzeit wagte ich mich auf völlig neues Terrain. Juli-Zeh-Terrain, um genau zu sein. Ohne vorher viel über oder von der deutschen Autorin gelesen zu haben, hatte ich dennoch sehr konkrete Erwartungen, beziehungsweise Befürchtungen. Philosophisch, so stellte ich mir die Werke der Juristin vor, handlungsarm und bedeutungsschwanger. Auch wenn Letzteres sich durchaus bewahrheitet hat, ist Nullzeit dennoch ein Roman wie jeder andere mit Charakteren, Spannung und einer Auflösung – und das meine ich total positiv. So positiv, dass ich angefixt bin: Das war nicht mein letzter Zeh! 10/13

Das Spiel des Engels von Carlos Ruiz Zafón

Vor genau zwei Jahren las ich im Brügge-Urlaub Carlos Ruiz Zafóns Der Schatten des Windes und verlor mich währenddessen in den Gassen Barcelonas. Für unseren diesjährigen Urlaub im belgischen Antwerpen wollte ich dieses Gefühl wiederbeleben und packte deshalb Das Spiel des Engels, den zweiten Roman rund um den „Friedhof der vergessenen Bücher“, ein. In dem 2008 erschienen Werk geht es um den Schriftsteller David Martín, der in Barcelona kurz vor dem Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs lebt und schreibt. Mit Hilfe seines Freundes und Förderers Pedro Vidal arbeitet er sich vom einfachen Verlagsmitarbeiter zum Autoren beliebter Groschenromane hoch. Als er den geheimnisvollen Verleger Andreas Corelli kennenlernt, glaubt David zunächst an die große Chance, bis Corelli im offenbart, was für eine Art von Buch er von ihm erwartet. Dennoch willigt der Schriftsteller in den Deal ein, der nicht nur ihm, sondern auch immer mehr Menschen in seiner Umgebung zum Verhängnis zu werden droht.

Mit Das Spiel des Engels hat Zafón definitiv einen mehr als würdigen Nachfolger geschaffen. Fast noch schöner als der Debutroman erzählt er diesmal die Geschichte eines Mannes und seiner Leidenschaft fürs geschriebene Wort, die ihn zu zerfressen droht. Die Zuneigung zur Literatur, verkörpert durch die bereits bekannte Buchhandlung „Sempere & Söhne“, und das Geheimnis um den Friedhof der vergessenen Bücher sind es, die eine subtile Brücke zwischen diesem Werk und seinem Vorgänger schlagen. Genug, um sich auch in Das Spiel des Engels von der ersten Seite an im Barcelona alter Zeiten wieder zu Hause zu fühlen. 10/11

Der Schatten des Windes las ich 2014 übrigens auf Anraten einer Freundin und weiß deshalb: Buch-Empfehlungen sind Gold wert. Also her mit euren: Habt ihr diesen Monat ein Buch gelesen, das euch absolut vom Hocker gerissen hat? Ich freue mich auf eure Tipps!

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1 Comment

  1. Buch 1 und Buch 3 klingen interessant.
    „Wie viel ist ein Leben wert“, ist eine interessante Frage – vor allem unter dem Aspekt, wenn derjenige krank ist. Das Zweite dagegen nicht, wahrscheinlich weil ich weder fürs Tauchen oder Griechenland zu begeistern bin.

    Leider ist mein SuB immer noch voller als voll,…..

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