[Rezension] Der Ruf des Kuckucks

Ein weiteres Geschenk vom Freund, das ich kurz nach Heiligabend auspacken durfte, war Der Ruf des Kuckucks, das gefeierte Krimi-Debüt der britischen Autorin Joanne K. Rowling. Rowling, die mit der Harry-Potter-Reihe weltberühmt wurde, veröffentlichte den Roman 2013 unter ihrem Alias Robert Galbraith im Blanvalet-Verlag.

Worum geht’s?

In dem Roman wird der ehemalige Army-Polizist Cormoran Strike, der bei einem Unfall in Afghanistan ein Bein verloren hat und mittlerweile als Privatdetektiv arbeitet, beauftragt, den Selbstmord des Supermodels Lula Landry zu untersuchen. Deren Bruder, John Bristow, ein nervöser, introvertierter Londoner Anwalt, glaubt nicht an einen Suizid. Er engagiert Strike, um zu beweisen, dass seine Schwester ermordet wurde. Trotz anfänglicher Zweifel übernimmt der mürrische Privatdetektiv den Fall und macht sich, gemeinsam mit seiner frisch verlobten Aushilfssekretärin Robin, auf die Suche nach der Wahrheit. Schnell stellt sich heraus, dass tatsächlich mehr hinter Lulas Sturz vom Balkon steckt, als die Polizei annimmt.

Wie war’s?

Man merkt deutlich, dass es sich bei Der Ruf des Kuckucks um den ersten Band einer Reihe handelt. So räumt vor allem der Vorstellung des verwundeten Privatdetektivs Comoran Strike und seiner cleveren Assistentin Robin eine Menge Raum ein. Der Leser erfährt eine Menge über die Vergangenheit des ehemaligen Soldaten, etwa über die Probleme mit seiner großen Liebe Charlotte.

Strike, der zu Anfang des Romans obdachlos ist und gerade von seiner Verlobten verlassen wurde, findet während des Romans immer mehr Selbstachtung und ist am Ende ein gefragter Detektiv, dem der Erfolg nicht zu Kopf steigt. Die Beziehung zu Robin, die zunächst nur als provisorische Bürokraft für eine Woche angeheuert ist, entwickelt sich nach und nach, lässt aber noch viel Potential für weitere Bände.

Besonders beeindruckend ist es, wie Rowling es schafft, den Figuren eine eigene Stimme zu verleihen, was besonders in Verhörsituationen deutlich wird. Das mag unter Umständen an manch einer Stelle etwas gezwungen wirken (zum Beispiel, wenn die unkooperative Psychiatrie-Freundin der Toten ihren Unterschichtenakzent auspackt), macht das Ganze andererseits aber eben auch lebendig und real.
Für Fans von solider Detektivarbeit, die bei Serien das Case-of-the-Week-System zu schätzen wissen, bietet Der Ruf des Kuckucks eine spannende Ermittlung, die ohne eine Meta-Ebene zuverlässig unterhält. Aber das ist okay. Immerhin muss nicht alles einen tieferen Sinn haben. Manchmal muss man einfach nur einen Mörder fassen.

Mit Der Ruf des Kuckucks legt Rowling den Grundstein für eine weitere, vielversprechende Buch-Reihe und beweist, dass sie mehr als nur Jugendliteratur kann. Für Freunde gepflegten Detektivtums mit einer Vorliebe für überraschende Wendungen ein definitives Muss.

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