[Rezension] Der Schwarm

Frank Schätzings “Der Schwarm” hat mittlerweile gut elf Jahre auf dem Buckel und gehört für mich zu den Büchern, über die gefühlt jeder spricht und die man deshalb unbedingt gelesen haben muss. Viele Jahre und einige Anläufe hat es bei mir gebraucht, bis es über den 24-seitigen Prolog hinausging, sodass ich nun endlich mitreden kann.

Worum geht’s?

In “Der Schwarm” geht es um das Meer. Denn das verhält sich samt seiner Bewohner immer merkwürdiger: Krebse explodieren, Wale verfallen der Raserei und dann sabotieren auch noch ein paar Würmer die  Pläne von Ölkonzernen. Schätzing präsentiert nach und nach immer mehr Akteure, die alle Experten rund ums Thema Ozean sind, beispielsweise Leon Anawak, den Walflüsterer, Sigur Johanson, einen norwegischen Biologe, oder die Journalistin Karen Weaver, die ihr Leben dem Meer gewidmet hat. Als das Chaos immer gewaltiger wird, werden sie Teil einer Sondereinheit, die es zur Aufgabe hat, herauszufinden, was zur Hölle sich unterhalb des Meeresspiegels abspielt – und vor allem, wer dafür verantwortlich ist.

Darum geht’s wirklich

In seinem Science-Fiction-Thriller widmet Schätzing sich der Frage, wie viel die Weltmeere noch ertragen können, bis sie irgendwann zum Gegenschlag ausholen. Dabei drückt er den Finger ganz tief in die Wunde, wenn er fragt, ob wirklich der Mensch die höchstentwickelte Spezies ist.

Von Katastrophen, Würmern und einer Heldin im U-Boot

Dass ich erst im dritten oder vierten Versuch endlich über Seite 24 hinaus kam, deutet schon die Startschwierigkeiten, die “Der Schwarm” und ich hatten, an. Nachdem der Prolog, der stark etwas von den ersten Minuten eines Endzeit-Spielfilms zur Prime Time hat, endlich überwunden war, klappte es dafür umso besser. Trotz häufiger Personen- und Ortswechsel, bei denen einem nahezu schwindelig werden kann, funktioniert das Kennenlernen der Protagonisten erstaunlich gut. Umso frustrierender war es, wenn diese dann nach und nach das Zeitliche segnen. Gerade der Schlussteil, der wieder einmal sehr stark an einen Pro7-Thriller erinnert, verlangt noch einmal sehr viel vom begeisterten Leser ab. Neben Handlungssträngen, die immer wieder offen gelassen werden, um sie dann Seiten später, wenn man sich schon gar nicht mehr daran erinnert, endlich abzuschließen, erwartet einen am Ende die pure Zerstörung. Durch die lebendige und detaillierte Sprache fällt es nicht schwer, sich den Untergang der USS Independence vor dem inneren Auge vorzustellen. Dennoch war mir das Ganze etwas too much. Manchmal ist weniger eben doch mehr, das gilt eben auch für Katastrophen. Den Vorwurf, Schätzing schreibe seine Bücher so, dass sie sich gut verfilmen lassen, kann ich zwar nicht unterschreiben, vor allem im Hinblick auf das fulminante Finale aber eben doch gut nachvollziehen.
Insgesamt war “Der Schwarm” für mich ein Roman voller Höhen und Tiefen. Mein Leseinteresse nahm diametral zur vermutlich beabsichtigten Spannung im Finale ab. Nachdem ich mich durch die absolute Katastrophe auf hoher See und Karen Weavers Rettung der Menschheit gekämpft hatte, fehlten mir auf den letzten Seiten Durchhaltevermögen und -bereitschaft , sodass meine Aufmerksamkeit in den Kapiteln vor dem Epilog quasi nicht existent war: Augen zu und durch.

Mein Fazit

Alles in allem würde ich dennoch sagen, dass der Teil nach dem Prolog bis etwa 200 Seiten vor dem Epilog stark genug war, um auch nach diesem durchaus nicht ganz bodenständigen Ende einen guten Eindruck bei mir hinterlassen zu haben. Deshalb würde ich jedem empfehlen, der mit dem Gedanken spielt, “Der Schwarm” eine Chance zu geben, um endlich mitreden zu können, es einfach zu tun. Mit ein bisschen mehr Durchhaltevermögen, als ich es habe, ist es bestimmt auch möglich, beim ersten Mal über Seite 24 zu kommen.

1 Comment

  1. Oh, das ist schon wieder 11 Jahre alt?!

    Danke für dein Review, ich denke, ich setze den Schwarm mal auf die Liste der Bücher, die ich demnächst endlich lesen will, denn ich gehöre genau zu denen, die immer wieder überlegt haben, ihn zu lesen. :)

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