Ein Plädoyer für die Hoffnung

Ganz bald bin ich seit 25 Jahren auf dieser Welt. 25 Jahre, in denen mir schon bei so manch einer Gelegenheit das Herz gebrochen wurde. Meine Eltern ließen sich scheiden, mein beste Freundin wechselte die Schule, die erste große Liebe machte Schluss. So ist es halt, das Leben. Man könnte sagen, ich bin herzschmerzerprobt. Dennoch scheint mein Umfeld im Moment das Gefühl zu haben, mich in Watte einpacken und vor den Enttäuschungen dieser Welt bewahren zu müssen.

Dass ich mich im Moment auf WG- und Job-Suche befinde, ist kein Geheimnis. Dabei kann ich gar nicht genau sagen, was wichtiger ist, weil sich beides irgendwie bedingt. Ein Job in der neuen alten Stadt ist dringend nötig, um ein WG-Zimmer zu bezahlen, das ich noch nicht habe. Wiederum ist ein fester Wohnsitz dringend nötig, um ein Zuhause zu haben, von dem aus ich morgens zur Arbeit pendeln kann – die bisher ebenfalls noch fehlt. Im Grunde beißen sich beide Probleme also gegenseitig in den Hintern. Aber das ist okay. Ich habe zwar keine Ahnung, wo ich nächsten Monat wohne oder wovon ich lebe, geschweige denn wie es nach dem Studium weitergeht – aber so ist es eben, das Leben. Zumindest mit Mitte 20. Nun stehe ich also diesen beiden großen Herausforderungen gegenüber und versuche sie bestmöglich zu bewältigen, ohne dabei in Panik zu geraten. Ich suche fleißig nach Jobs und besichtige brav WGs, der Erfolg blieb bisher eben aus. Hin und wieder betrete ich dabei auch eine Wohnung, die mir gefällt, bekomme nette Antworten auf meine E-Mails oder lerne Menschen kennen mit denen ich entweder gern zusammen wohnen oder arbeiten würde. Davon erzähle ich dann wiederum hin und wieder meinen Mitmenschen, immerhin bin ich kommunikativ (Dass ich wirklich schlecht drauf oder traurig bin, erkennt man übrigens daran, dass ich plötzlich verstumme). Dabei ist mir in den letzten Wochen eine Reaktion besonders aufgefallen, die ich mir nicht so recht erklären kann.

Mutig sein und Hoffnungen haben – oder aber das Dasein im Bett fristen.

Ich würde sagen, dass ich von Natur aus Pessimistin bin. Bedingt durch mein Dasein als Panikmädchen nehme ich immer gleich das Schlimmste an und rechne hinter jeder Ecke mit einer kleinen Katastrophe. Und eigentlich weiß mein Umfeld das auch. Dennoch werde ich in letzter Zeit ständig dazu ermahnt, mir nach einer netten WG-Besichtigung oder bei einer Stellenanzeige, die quasi meinen Namen brüllt, nicht zu große Hoffnungen zu machen.

Seit wann ist es eigentlich falsch, Hoffnung zu haben?

Ich weiß, dass das da draußen ein brutaler Dschungel ist, in dem nur einer den Job bekommen oder das Zimmer beziehen kann. Immerhin bin ich ja nicht naiv. Oder blöd. Ich weiß, wie so was funktioniert. Aber das bedeutet doch nicht, dass ich ständig daran erinnert werden will oder muss. Manchmal ist ein kurzer Moment der Freude über eine neue Reaktion auf meine Bewerbungsunterlagen alles, was ich brauche, ein kleiner Erfolg, der auch mal genossen werden will. Nur für einen kurzen Moment das große Ganze vergessen, vergessen, dass es eigentlich noch mehr zu erreichen gibt, nur eine Sekunde. Ist das zu viel verlangt?

Ich meine, mal ehrlich, was wäre die Alternative? Sich jederzeit über die Gefahren und möglichen Misserfolgen bewusst zu sein, das klingt nicht, als würde es Spaß machen oder mir gut tun. Statt nach Mut und Hoffnung klingt es nach Stress und jeder Menge Trost-Schokolade. Ja, ich weiß, wie es im schlimmsten Fall weitergeht und habe einen Plan B, der mich zwar nicht glücklich macht, aber immerhin überleben lässt.

“Hast du keine Sorge, dass du keine WG findest?”, fragte mich eine Freundin vor ein paar Wochen. Zugegeben, damals hatte ich deutlich mehr Zeit als heute. “Nein”, antwortete ich, “irgendwie wird sich schon alles finden.” Auch heute, drei Wochen bevor mein Mietvertrag ausläuft und ich die Wohnung gestrichen und leer übergeben muss, würde ich wieder so antworten. Denn so ist es halt, das Leben.

2 Comments

  1. Ich bin begeistert! Noch vor zwei Jahren wärst du in Panik ausgebrochen. Und jetzt liegst du im Bett. Wie ich. Höhö. Denn mein Wien-Loch ist auch noch nicht vorbei. Nen neuen Job hab ich auch noch nicht. Na ja, dafür ja immerhin Netflix.

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