Gelesen im Februar

Ende März – der perfekte Zeitpunkt, um über die Bücher, die ich im Februar gelesen habe, zu schreiben. Oder? ODER?

„Us“ von David Nicholls

Als seine Frau ihm eines Nachts offenbart, dass sie unzufrieden ist und sich von ihm trennen will, fällt Douglas aus allen Wolken. Doch vor dieser angekündigten Trennung steht die letzte gemeinsame Reise als Familie – und zwar quer durch Europa. Douglas beschließt, bei diesem Trip alles anders zu machen, die Beziehung zu seinem Sohn zu verbessern und seine Ehe zu retten. Doch was bleibt, ist das Gefühl, dass er seinen Sohn nie so ganz verstehen wird, und die Erkenntnis, dass man Gefühle eben nicht steuern kann. „Us“ ist kein Roman darüber, dass Liebe alle Schwierigkeit überwinden kann, wenn man nur fest dran glaubt. Vielmehr beschreibt Nicholls das Ende einer Ehe, die zwar eine, aber nicht die große Liebe war. Und dass das eben auch okay ist.

Wer ein Herz für Liebesgeschichten hat, die sich Gefühlen jenseits des Superlativs widmen, sollte sich „Us“ definitiv anschauen. Für Fans von „500 Days of Summer“ keine schlechte Idee.

Lesemonat Februar

„Wachstumsschmerz“ von Sarah Kuttner

Luise und Flo sind Anfang Mitte 30 und lieben sich schon einige Zeit. Warum also nicht zusammenziehen? Das ist es doch, was alle tun, was die Gesellschaft vorgibt, quasi verlangt. Oder? Eben. Also machen sie den Sack zu und beschließen, ihre erste gemeinsame Wohnung zu beziehen. Das klappt auch mehr oder weniger gut, doch irgendwas fühlt sich falsch an. So als würden sie dieses Erwachsenenleben voller Verantwortung und Balkonbepflanzung nur spielen. Zumindest ergeht es Luise so, bis es unerträglich wird und sie Flo bittet, ihr etwas Abstand zu geben. Um mit sich selbst erstmal klarzukommen, herauszufinden was sie will und was sie nur denkt, wollen zu müssen.

Kuttner steckt mit „Wachstumsschmerz“ ihren ab-en Finger in die Wunde und drückt so richtig schön drin rum. Fühlt sich so Erwachsensein an? Muss das wirklich so? Will ich das überhaupt? Ein wichtiges Buch für die, die erwachsen oder es vielleicht irgendwann mal planen.

Mit ihrem zweiten Roman bleibt Kuttner ihrer Linie treu und erzählt erneut die Geschichte einer jungen Frau, die nicht so recht weiß, wie ihr geschieht. Im Gegensatz zu „Mängelexemplar“, das sprachlich auch schon den einen oder andere Kracher parat hielt, übertrifft sich Kuttner in „Wachstumsschmerz“ noch mal selbst. Der Roman strotzt vor toller Sätze und grandioser Metaphern, die Gefühle nicht nur beschreiben, sondern auch in Greifbares verwandeln. Hätte ich alle Lieblingsstellen mit einem Marker angestrichen, wäre mein Exemplar jetzt sehr, sehr bunt.

Meinen deutschsprachigen Lieblingsautor Michel Birbæk (der ja leider keine Romane mehr schreibt) stößt Kuttner vielleicht nicht unbedingt vom Thron – gesellt sich aber auf alle Fälle zu ihm.

„Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner

Karo ist unglücklich. Ihr Traumjob in einer Eventagentur ist futsch und die Beziehung zu ihrem Freund ist irgendwie auch nicht ganz das Wahre. Als aus dem mittelmäßigen der Ex-Freund wird, verwandelt sich ihre Traurigkeit in ein hässliches Monster, das sie nicht mehr in Ruhe lässt und sie ängstigt. Sie beschließt, sich Hilfe zu holen: bei ihrem guten Freund Nelson, ihrer Mutter und einem Psychiaterin. Gemeinsam mit ihrer Task Force kämpft sie sich Stück für Stück wieder in ihre Wohnung und ihr Leben und erkennt, dass um Hilfe zu bitten kein Zeichen für Schwäche, sondern für Einsicht ist.

Weil Kuttners Erstlingswerk „Mängelexemplar“ das zweite Buch ist, das ich von ihr gelesen habe, muss es sich dem vielleicht unfairen Vergleich mit „Wachstumsschmerz“ stellen. Gerade bei der direkten Gegenüberstellung fühlt es sich an, als hätte sich Kuttner in „Mängelexemplar“ sprachlich noch auf dem Weg zu sich selbst und ihrem besonderen Erzählstil befunden, den sie in „Wachstumsschmerz“ dann vollends auslebt.

Nichtsdestotrotz ist „Mängelexemplar“ ein gelungener Roman über Gefühle und Ängste, die jeder in der einen oder anderen Variante schon einmal erlebt hat – ein Buch zum Verstandenfühlen.

3 Comments

  1. Toll geschrieben, mich sprechen auch eigentlich alle drei Bücher auf Anhieb an. Ich denke aber, ich werde mir zuerst Wachstumsschmerz genauer ansehen, das klingt, als könnte es mir gefallen. Und wenn es genauso toll geschrieben ist, wie die Tweets, dann bin ich sowieso ein Fan! :)

    Liebe Grüße,
    Julia von Juliary

  2. Also “Us” ist denke ich nichts für mich.
    Kuttner… ich weiß nicht… ich glaub davor muss ich ein paar gute Thriller mal wieder lesen, ehe ich wieder zu sowas greife :D
    (Feuchtgebiete will auch noch gelesen werden)

    • Dominique Reply

      Ui, “Feuchtgebiete” habe ich (vor Jaaaahren) mal als Hörbuch gehört und fand’s ganz grausig. Mir war da alles irgendwie zu sehr entblößt und entzaubert.
      Thriller sind aber auch was Feines!

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