KW 6: Einer Buchhandlung beim Sterben zusehen

Mit der ersten Vollzeitwoche (vom Rest meines Lebens) bin ich nun vollends im Erwachsenenleben angekommen. Dementsprechend beschränkt sich mein Privatleben also ab jetzt auf die paar Stündchen nach der Arbeit, die mit Haushalt in Ordnung bringen eigentlich ganz gut ausgefüllt sind. Alles was das Sozialleben betrifft wird somit aufs Wochenende verschoben, das übrigens viel zu kurz ist. Wer Sonntage hasst, der ist offenbar noch nicht im Arbeitsleben angekommen. Von mir aus könnte es pro Wochenende ruhig drei bis vier Sonntage hintereinander geben, zum Entspannen, Ausschlafen, Serien Schauen und Bücher Lesen. Und weil ich auch jetzt – kaum ist der letzte Sonntag mehr als 20 Stunden her – schon wieder völlig erschöpft bin, gibt’s nur einen ganz kurzen Wochenrückblick. Im Schnelldurchlauf quasi. Also wenn ich laufe könnte. Aber nope.

Bücherliebe

Letzte Woche habe ich endlich, endlich mit meinem allerersten Roman von Sarah Kuttner angefangen und erlebe jedes Mal, wenn ich “Wachstumsschmerz” aufblättere eine kleine Offenbarung. Ich fühle mich gleichzeitig verstanden und ertappt, was mir eigentlich viel zuwider ist, weil das Buch auf der Rückseite damit wirbt, dass es sich um eine “klugen, messescharfen Blick auf diese Generation” handelt und ich solche Verallgemeinerungen wirklich, wirklich hasse. Dennoch ist Kuttners Schreibstil dermaßen super duper grandios und ihre Gedanken so klug und ehrlich, dass ich dem Buchrücken diesen Fauxpas verzeihe.

Bücher mit Titeln, die mich seit ich etwa 15 bin, nicht mehr betreffen: Wachstumsschmerz von Sarah Kuttner
Bücher mit Titeln, die mich seit ich etwa 15 bin, nicht mehr betreffen: Wachstumsschmerz von Sarah Kuttner.

Büchersterben

Derzeit befindet sich eine der größten (und bestimmt auch ältesten) Düsseldorfer Buchhandlungen, der Stern-Verlag, im Todeskampf. Und man buchstäblich beim Sterben zusehen. Im März soll die verwinkelte mehrstöckige Buchhandlung ihre Schotten dicht machen, weshalb Regale auch nicht mehr befüllt werden. Das wiederum bedeutet, das ganze Bereiche der Verkaufsfläche schon leer und gespenstisch still sind und  durch dieses Crime-Scene-Absperrband, das es neben Mini-Sorgenfressern (Wie winzig die Mägen sind, in denen die Sorgen passen sollen. Kein Wunder, dass sie in der Kinderabteilung zu finden sind.) und Fröschen, die sich, wenn man sie mit Wasser übergießt in Traumprinzen verwandeln, in jeder Merch-Abteilung gibt.

Ein Anblick, der mich weiterhin darin bestärkt hat, echten Buchhandlungen treu zu bleiben und Bücher, die ich nicht gebraucht kaufe, im Buchladen am Ende der Straße statt bei Amazon zu kaufen. Wusstet ihr, dass Amazon in Amerika dazu führt, dass Buchhandlungen reihenweise aussterben? Welch trauriger Gedanke.

Weltschmerzpur: das Sterben einer Buchhandlung zum Zusehen.
Weltschmerzpur: das Sterben einer Buchhandlung zum Zusehen.

1 Comment

  1. Ich war vor zwei Wochen dort und echt erschüttert, dass schon so viel leer steht :/ Ich bin kein Fan von Buchhandlungen, weil ich hauptsächlich Second Hand kaufe, liebe den Sternverlag aber. Er hat (oder eher hatte) so ein riesiges Angebot , dass ich alter ;Muffel dort Stunden hätte verbringen können. Und dann liegen in meinen Lieblingsabteilungen nur noch Teppiche rum. Ich könnte heulen, auch weil ich weiß, dass ich zum Problem gehöre. Das war eine der riesigsten, am besten sortierten Buchhandlungen, die es noch gab und sie stirbt so vor sich hin. Ich hab immer gedacht, wenn eine es schafft, dann diese Buchhandlung, weil sie noch eine richtige Buchhandlung war und nicht zu 50% aus non-book Artikeln bestand. (Und ich hab absolut keine Ahnung, was aus der kleinen Filiale auf dem Campus wird. :()

    Liebe Grüße,
    Susanne

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