Münsterschmünster

Münster steht schon lange auf der Liste mit Städten innerhalb NRWs, die wir unbedingt einmal besuchen wollen, solange wir noch unsere Studententickets haben und mit dem Nahverkehr kostenlos durchs ganze Bundesland fahren können. Als feststand, dass wir dieses Jahr zeit- und geldbedingt auf einen richtigen Urlaub verzichten müssen, beschlossen wir, stattdessen wenigstens einen Tagesausflug zwischen Masterarbeit und Nebenjob zu schieben und immerhin einen Tag lang so zu tun, als hätten wir nichts wichtigeres vor, als den Sommer in vollen Zügen zu genießen.

Da sowohl der Freund auf der Arbeit als auch ich im Freundeskreis und via Twitter rumfragten, was man in Münster unbedingt gesehen haben sollte, hatten wir eine ungefähre Vorstellung davon, wie wir den Tag gestalten wollten. Zudem bekam der Freund noch den Hinweis, dass es vom Hauptbahnhof “immer geradeaus Richtung Altstadt” ginge, mit auf den Weg. Eine Information, die unter normalen Umständen bestimmt sehr hilfreich gewesen wäre, die aber absolut irreführend ist, wenn der Hauptbahnhof gerade eine Komplettbaustelle und der Ausgang, der normalerweise zur Innenstadt führt, gesperrt ist. Und wenn man dann auch noch das Schild übersieht, dass außerhalb des Bahnhofs auf den Umweg hinweist, ja dann braucht man deutlich länger als erwartet und von Google Maps prognostiziert. Dennoch haben auch wir es irgendwann mit viel, viel Intuition und absoluter Verunsicherung meinerseits (“Das Schild hat wirklich gesagt, dass es zur Innenstadt links lang geht … denke ich.”) endlich zur Touristeninformation geschafft. Mit einem Stadplan bewaffnet waren wir also bereit, Münster Hand in Hand zu erobern.

Ganz klassisch fingen wir am Prinzipalmarkt an, wo wir die atemberaubend schönen Häuserfasaden und Bogengänge sowie das historische Rathaus bewunderten. An der Lambertikirche und dem Erbdrostenhof vorbei ging es dann zum St.-Paulus-Dom, den wir uns bestimmt genauer angeguckt hätten, wenn nicht gerade eine Messe stattgefunden hätte. So sind wir nur kurz reingehüpft, haben anerkennende Ahs und Ohs gemurmelt und sind dann weitergezogen. Mit dem Aachener Dom kann es eh kein anderer Dom aufnehmen <3 #lieblingsdom

Sowohl Sindy als auch Nele meinten, dass wir Münster auf keinen Fall wieder verlassen durften, ohne uns das Schloss angesehen zu haben. Weil wir bei den über 30 Grad, die herrschten, und nach den bereits 12.000 gegangenen Schritten leider beide etwas lauffaul waren, wurde aus der geplanten Besichtigung des Schlossgeländes mehr ein kurzer Abstecher, bei dem wir versuchten, möglichst wenig Zeit in der prallen Sonne zu verbringen. (“Lass uns rechts lang, da ist Schatten!” “Das ist links. Und das am Hauptbahnhof vorhin war vermutlich genauso links, wie das hier rechts ist.”)

Um der Hitze, die auch im Schatten allgegenwärtig war, für einen Augenblick zu entkommen und uns bei kühlen Getränken mental etwas zu sammeln (aka. mein vermutlich durch einen Mini-Sonnenstich bedingtes verrücktes Gelächter wieder in den Griff zu bekommen), beschlossen wir anschließend, bei Hans im Glück zu essen. Ich liebe den veganen hansischen Weizenbratling, der einem “normalen” Hackfleischburger meiner Meinung nach  in nichts nachsteht. Zwischendrin musste ich sogar einmal den Konsistenz-Vergleich mit dem Burger vom Freund machen, um sicherzugehen, dass ich nicht aus Versehen doch Fleisch aß.

Nach den Burgern ging es dann über die Promenade, die besonders den Freund unheimlich begeisterte (“Eine Autobahn für Fahrräder!” <3) an den Aasee (letzter Tagespunkt), wo wir erst vom Rasen, später dann von einer freigewordenen Parkbank (Sind ja schließlich keine 18 mehr …) Segelschiffen beim Kentern zusahen. (Hihi.) Offenbar gab’s mitten auf dem See eine besonders heimtückische Stelle, die die Bötchen reihenweise zum Umkippen brachte, was sehr, sehr lustig anzusehen war. Verletzt wurde niemand, die kurze Abkühlung tat den tapferen Seglern körperlich vermutlich mehr gut als schlecht. Auch wenn mein Herz bei der Vorstellung, wie viele Smartphones dadurch ein frühes Ende fanden, ein kleines bisschen brach.

Gegen 17 Uhr machten wir uns langsam wieder auf den Heimweg. Am Hauptbahnhof konnten wir wenigens das Mysterium mit dem irreführenden Wegweiser klären: Weil die ganze Vorderseite inklusive Haupteingang gesperrt war, musste natürlich jeder Ankömmling vom Gleis Richtung Bahnhofspopo. Das Links war somit wirklich und wahrhaftig ein Links und mein Ruf wieder so einigermaßen hergestellt. Yessss.

</muenster>

3 Comments

  1. Wahrlich ein begeisterter und begeisternder Bericht. Allein, ich vermisse die Stelle, wo ihr Euch am Ende noch an den Fluss gesetzt habt.

  2. Münster ist so eine tolle Stadt! Ganz große Liebe und nach Düsseldorf mit Abstand die zweitschönste Stadt NRWs. Schön, dass ihr euer Ticket (um das ich euch beneide!) genutzt habt und das ihr einen angenehmen, nicht regnerischen Tag dort verbracht habt. Vielleicht schaffen wir es eines Tages gemeinsam dorthin und mit meinem ganzen “Ist das und dies und jenes nicht wunderschön?!”-Gerede, wirst du die Stadt dann noch ein bisschen mehr mögen.
    Bei Hans im Glück war ich noch nie, aber da du so begeistert bist, werde ich beim nächsten Besuch in Münster auch dort essen :)

  3. Schön, dass es euch gefallen hat! :-) Münster ist echt eine Stadt, die man zu Fuß halbwegs gut an einem Tag erkunden kann. Jedenfalls die wichtigsten Ecken.

    Um das Studententicket beneide ich euch. Das NRW-Ticket wurde bei uns an der Uni genau in dem Semester, nachdem ich fertig war mit Studieren, eingeführt (wir hatten nur das Ticket vom Verkehrsverbund)! ;-)

    Liebe Grüße
    Nele

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