Rezension: Der Distelfink von Donna Tartt

1022 Seiten, die das Heranwachsen des jungen Theodor Decker vom Schüler zum Kunstdieb zum Antiquar begleiten. Hier erzähle ich euch, worum es in dem Roman Der Distelfink der US-amerikanischen Autorin Donna Tartt (wirklich) geht und wie mir die Geschichte des Anti-Helden Theo gefallen hat.

Worum geht es in Der Distelfink?

Der 2013 veröffentlichte Roman Der Distelfink dreht sich um Theodor Decker, der mit 13 Jahren seine Mutter bei einem Terroranschlag im New Yorker Metropolitan Museum of Art verliert. Nur knapp mit dem Leben davongekommen und unter Schock macht er Bekanntschaft mit dem sterbenden Walty, der ihn bittet, seinen Ring zu seinem Geschäftspartner und engen Vertrauten Hobie zu bringen. Jedoch ist dieser Auftrag nicht das Einzige, das der Junge aus den Trümmern des Gebäudes mitnimmt. Auch das Gemälde “Der Distelfink” des niederländischen Künstlers Carel Fabritius nimmt der Junge – in der Annahme, es vor Schlimmerem zu retten – vom Unfallort mit. Einzig und allein dem Trubel der Ereignisse hat Theo es zu verdanken, dass keiner das Verschwinden des wertvollen Kunstwerkes mit seinem Überleben in Verbindung setzt. Je mehr Zeit Theo mit dem Kunstwerk verbringt, desto stärker wird seine Faszination – und die Gefahr, als Dieb des mittlerweile weltweit gesuchten Bildes überführt zu werden. Auch nach dem Tod seiner Mutter meint es das Schicksal nicht gut mit dem Jungen und so beginnt für ihn eine Odyssee, bis er schließlich bei Hobie landet und dieser ihm beibringt, antike Möbel zu restaurieren. Doch auch dieses flüchtige Gefühl des Angekommen-Seins verhindert nicht, dass sich Theos Leben und Wirken immer weiter einem verhängnisvollen Abgrund nähern, verkörpert durch seinen Jugendfreund Boris.

Das Cover zu Der Distelfink von Donna Tartt

Worum geht es in Der Distelfink WIRKLICH?

Gelegenheit macht Diebe – oder ist es doch Vorherbestimmung? Wie viel Einfluss haben wir auf unser Schicksal, unsere Bedürfnisse und schlussendlich auf das, was uns erfüllt? Diese Fragen sind es, die Theo Decker, den Protagonisten und Ich-Erzähler des Romans, umtreiben. Und die bittere Erkenntnis, dass wir keinen Einfluss darauf haben, wer wir wirklich sind. Umso wichtiger ist es, zu erkennen, was uns glücklich macht und zu entscheiden, ob es das wert ist. Damit fordern Tartt und der Ich-Erzähle den Leser zu einer philosophischen Auseinandersetzung aus – welche nicht zwangsläufig so düster ausfallen muss, wie das Fazit Theos.

Abschied von Theodor Decker – meine Bewertung von Der Distelfink

Aufmerksame Follower meines Instagram-Accounts werden jetzt eventuell so was wie “Hö, hat die das nicht schon vor Monaten gelesen?” denken. Recht haben sie! Denn tatsächlich hat es viele Monate, einige Anläufe und eine sehr bestimmte Stimmung gebraucht, bis ich mit Der Distelfink warm wurde. Und nach warm folgt heiß. Für mich gehört Der Distelfink dennoch definitiv zu den Lese-Highlights der letzten Jahre. Dank einer fesselnden und abwechslungsreichen Story (schließlich geht es von New York über Las Vegas nach Antwerpen und wieder zurück nach New York), vielschichtiger Charaktere und einem Schreibstil, bei dem es garantiert nicht langweilig wird, überzeugte Donna Tartt mich vollkommen – endlich! Und somit möchte ich Der Distelfink allen ans Herz legen, die eine Story zum Reinlegen und Suhlen suchen, die nicht immer einfach und bequem, aber es auf jeden Fall wert ist.

Mit dem Ende von Der Distelfink lässt Donna Tartt mich mit einem versöhnlichen Gefühl zurück. Theo Decker hat erlebt, was er erleben musste, um zu dem zu werden, der er jetzt ist. Ob er sein Glück wirklich gefunden hat (oder verstanden hat, was Glück überhaupt für ihn bedeutet), weiß ich nicht.

Habt ihr Der Distelfink von Donna Tartt schon gelesen? Habt ihr auch so lange gebraucht, um reinzukommen? Wie hat’s euch gefallen?

Übrigens: Das im Buch sagenumwobene Kunstwerk “Der Distelfink” gibt es tatsächlich. Wer mehr über das Gemälde, das bereits 1654 entstanden ist, erfahren möchte, dem lege ich den sehr ans Herz! Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts befindet es sich im Museum “Mauritshuis” in Den Haag und keinesfalls in New York, wie im Roman behauptet.

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